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Beleuchtung der geschichtlichen Entwicklung

Im Jahr 2014 stand die Bevölkerung Kleinfischlingens vor einer schlagartigen Zunahme von mindestens 20 Prozent. Die Einwohnerzahl des kleinen Ortes lag immer knapp über 300, war einige Jahre auf einen Tiefstand von nur 270 gesunken, kletterte wieder über 300. Mit dem Zuzug im Neubaugebiet Weinhübel II, hat die Gemeinde Anfang 2017 die Einwohnerzahl von 315 erreicht. Die ruhige und nette Wohnsituation zieht die Liebhaber an. Dieser Zuwachs an Neubürgern bedeutet einen endgültigen Wandel zur Wohngemeinde inmitten von Weinbergen und Ackerflächen. Fünf selbstvermarktende Weinbaubetriebe und eine Hand voll Winzer mit Traubenvermarktung sind verblieben von rund 40 Weinproduzenten der Fünfziger und Sechziger, als fast in jedem zweiten Anwesen gekeltert wurde.

Der Ackerbau ist bis auf wenige, selbst genutzte Flächen fast komplett in die Hände auswärtiger Großbetriebe geraten. In besagten 50er und 60ern sah man fast alle Familien, und wenn auch nur im Nebenerwerb, auf den Äckern. Ausnahmen bildeten etwa die Zugezogenen. Aber eigentlich war das gesamte Dorf dem Jahreskreislauf vom Säen bis zum Ernten unterworfen.

So war das Ortsbild geprägt von Zugmaschinen und Zugtieren, vom Transport der Produkte, von Heu bis zu den Trauben und Kartoffeln. Feldweglehm und Dungreste, Strohhalme und schmutzige Abwasserrinnen zierten wochentags die Dorfstraßen, bis dann sonntags wieder alles glänzte. Die Nebengebäude waren alle den dringendsten Notwendigkeiten von Ackerbau, Weinbau und Viehzucht untergeordnet, ohne sonderlichen ästhetischen Reiz ausstrahlen zu wollen. Noch 1957 baute man ein großes Raiffeisenlagerhaus, das dann bald nicht mehr seine auf ganz lange Sicht
angelegte Funktion ausübte.

Mit diesem kleinen Einblick in die Kindheit eines heute 68-jährigen Einheimischen ist der Anschluss schon hergestellt an die vielleicht 1400 Jahre lange totale Abhängigkeit der Dorfbewohner von den Erträgen der Natur, wie sie 1400 Jahre lang das Dorf prägte. Kleine technische Fortschritte im landwirtschaftlichen Leben wären z.B. zu registrieren, wenn in der gleichen Scheune von 1738 nun (1950) kein Wagen mit Eisenbereifung parkte sondern eine gummibereifte Rolle. Die Heugabeln und Holzrechen darauf waren aber bestimmt die gleichen Modelle wie einst. Die Ställe, die Schuppen, die Keller trugen noch im Türsturz die Baujahresangaben aus den Aufbauzeiten nach dem Dreißigjährigen Krieg. Die Kapazitäten waren die gleichen: Damals Platz für 5 Kühe, 1950 Platz für 5 Kühe; im Rübenkeller Platz für nur 7 Wagenladungen, heruntergeworfen durch die gleiche Luke wie 250 Jahre zuvor. Wäre die Pfalz nicht der Vernichtungsstrategie der Kriegsparteien des Dreißigjährigen Kriegs zum Opfer gefallen, hätten gewiss 500 Jahre alte Bauten im 20. Jahrhundert noch ihren Zweck erfüllt.

Dies soll heutigen Neubürgern oder der jungen Generation vor Augen geführt werden: Der totale Wandel im Leben eines Dorfes in ganz wenigen Jahrzehnten nach 13 Jahrhunderten mit ziemlich ähnlichem Verlauf. Da stand die Selbstversorgung mit Nahrung an erster Stelle. Sogar bei handwerklicher Arbeit auf dem Bauernhof wurde nur wenig den Spezialisten wie etwa den Töpfern oder den Schmieden überlassen.

 

Wer Überschüsse produzierte, konnte sich jedoch mehr leisten. Diese einfachen Regeln trieben die Bauern an.

Wenn ein Kleinfischlinger weiter zurückforscht
Die Ortsgemeinde ist trotz ihrer nur 300 Einwohner immer noch selbstständig, mit eigenen Finanzen, eigenen Entscheidungen. Aber seit 1972 besteht eine zentrale Verwaltung in Edenkoben. Das bedeutet weiterhin (im Gegensatz zu eingemeindeten Stadtdörfern), wie vielleicht seit 1300 Jahren oder noch länger, mit eigenem Ortschef und seinen Ratsmitgliedern.

Wenn heute maßgebliche Behörden bei der Kreisverwaltung Südliche Weinstraße angesiedelt sind, so waren sie früher beim Kanton Edenkoben, beim Oberamt Germersheim, beim Amt Altdorf und vorher beim Amt Weingarten. Damit haben wir nun die bayerische Verwaltung seit 1816, die kurpfälzische Direktverwaltung seit 1743, die Degenfeldt-Schomburgische Herrschaft in Altdorf und die Herren von Weingarten (seit 1477) mit ihren Amtssitzen erwähnt.

An Kleinfischlingen gingen die Katastrophen des Zweiten Weltkriegs nicht spurlos vorbei. Gebäudeschäden waren zwar nur ein einziges Mal mit den Folgen einer Luftmine zu beklagen, die alle Ziegeldächer auf der Nordseite des Dorfes abdeckte.

 

Hingegen kamen 28 junge Männer nicht mehr aus dem Krieg nach Hause, ein furchtbarer Aderlass bei nur 260 Einwohnern. Nach dem Krieg füllten sich die Häuser mit vielen Heimatvertriebenen und Flüchtlingen. Jüdische Mitbürger gab es schon lange nicht mehr. Hingegen sind im 18. und 19. Jahrhundert die einen oder anderen Namen wie z.B. Scharf, Seligmann und Levi bekannt.

Der Erste Weltkrieg hatte 19 Gefallene des Dörfchens gefordert. Einst hatte Napoleon die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. 1807 bis 1811 war Jean Christoph Hartmann bei den Feldzügen dabei. Die Bayern hielten anschließend an der Wehrpflicht fest.