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Natur und Umwelt

Mini Nationalpark: Eine Gemeinde betreibt selbständig Naturschutz


siehe hierzu Bildgalerie Natur und Umwelt

 

Voraussetzungen

Trotz kleiner Gemarkungsfläche weist Kleinfischlingen eine gute Struktur für gehobene Ansprüche an Natur und Umwelt auf. Obwohl  auf der intensiv landwirtschaflich genutzten Schwegenheimer Lößplatte liegend reicht ein Zufluss des Modenbachs, der Kaltenbach,  mit seinem schmalen Tal von dem Speyerbach – Schwemmkegel bis herauf nach Kleinfischlingen und belebt die reine Acker- und Weinbergsflur mit seiner Aue und seinen Ufergehölzen. An einem Zufluss des Kaltenbachs, dem Wetzelgraben, und seiner sumpfigen Aue wurde das Dorf gegründet.

 

Sowohl in der Ortslage selbst als auch in der freien Landschaft spielen weitere positive Faktoren eine Rolle. Der wichtigste Faktor „geringe Störung“ resultiert aus geringer Einwohnerzahl und der ausreichenden Entfernung zur Autobahn, zu zerschneidenden Verkehrswegen und zu großen Ortschaften oder Städten.

 

Die Ortslage bietet eine ideale Mischung aus alten Bauerngehöften und gewachsener  Neubebauung, mit großen Gärten sowie viel Obst- und Zierbaumbestand. Dies bringt zum Beispiel eine stabile Vielfalt an siedlungsbegleitenden Vogelarten und eine hohe Populationsdichte. Insgesamt finden wir innerhalb der Gemarkung ein Mosaik von kleiner Siedlung, Ackerflächen, Weinbergen und Feuchtgebieten auf engem Raum. Dies multipliziert die Artenvielfalt und –dichte. (Obwohl z.Bsp. Habicht und Sperber nicht hier brüten, sind sie tägliche Gäste).

 

Die Bevölkerung steht den Interessen von Natur und Landschaft positiv gegenüber, sodass viele Einzelbeiträge auf dem eigenen Grund und Boden zu loben sind. Dies geht vom Gartenteich bis zum Schwalben- und Eulenschutz, vom Fledermausquartier bis zur Blütenvielfalt von Gärten. So finden wir eine Kette von Ringelnatter und Teichmolch bis hin zu Admiral, Gartengrasmücke und Mäusebussardbrut im Hausgarten.

 

Die Politische Gemeinde Kleinfischlingen selbst legt großen Wert auf den Erhalt und die Pflege der natürlichen Umgebung. Sie hat bislang schon 280.000 m2 gemeindeeigene Fläche dem Umwelt- und Naturschutz gewidmet. Dies bedeutet pro Einwohner eine Fläche von 1.000 m2 (darunter fällt nicht wie andernorts der Nutzwald, denn Kleinfischlingen hat keinen eigenen Waldbesitz mehr). Die Flächen sind allesamt Wiesen und Feuchtgebiete mit Schilf- , Seggen- und Salweidenbeständen mit temporären Flachgewässern.

 

Der Biotopschutz gewährleistet den Bestand von einst typischen Elementen der Gäulandschaft, die sowohl das charakteristische Landschaftsbild prägen als auch wertvolle Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten bedeuten.

 

Der Artenschutz profitiert von gezielter Pflege dieser Biotope

Ein 1,2 km langer Ackerstreifen entlang des Schilfgebiets wird zum Beispiel seit 10 Jahren in eine artenreiche Mähwiese umgewandelt. Die ansonsten drohende Verbuschung wird hier durch Mähen verhindert. Die Wiese ergänzt das Schutzgebiet nun mit einem Puffer  von offenem Gelände, das jetzt den Ansprüchen von weiteren Tierarten wie zum Beispiel  Insekten dient.

 

Im Schilfgebiet selbst müssen die Weidenbestände in ihrer Ausdehnung kontrolliert werden, um eine zunehmende Verdrängung der wertvollen Schilfbestände zu vermeiden. In temporären Gewässern wie Tümpeln, alten Entwässerungsgräben und moorigen Senken wird versucht, die Frühlingswasserstände solange wie möglich hinzuhalten und den Amphibien, Wasserinsekten und der Vogelwelt anzubieten.

 

Das 1935 vom Reichsarbeitsdienst entwässerte Sumpfgebiet war nur vorübergehend von landwirtschaftlichem Interesse. Mittlerweile hat der Umwelt- und Naturschutz hier oberste Priorität. Die Entwässerung widerspricht allen heutigen Interessen und öffentlichen Verpflichtungen. Ganz im Gegenteil verlangt die hohe Grundwasserentnahme des Gemüsebaus nach Gegenmaßnahmen zur Grundwasserneubildung. Der „Schwamm“ des einstigen Moores muss sich wieder vollsaugen können.

 

Zusammen mit den parallel am Südufer des Kaltenbachs verlaufenden Schilfbiotopen der Hochstadter Gemarkung (meist in Besitz der Öffentlichen Hand), stellen die Flächen ein regional beachtliches Angebot von selten gewordenen Lebensräumen dar. Seit 1980 hat das Gebiet den Status eines Landschaftsschutzgebietes (einst das erste des Kreises SÜW).

 

Ergebnis gezielter Maßnahmen

Für erfolgreichen Artenschutz spricht die beachtliche Zahl von 44 Brutvogelarten, darunter gefährdete Arten der Feuchtgebiete. Besonders beeindruckend ist aber die hohe Revierdichte von Vögeln wie Nachtigall, Mönchsgrasmücke, Goldammer, Kuckuck, Finken, Tauben  und Spechten. Die Arten wie Neuntöter, Rohrsänger, Feldschwirl, Rohrammer, Pirol, Turteltaube, Grauspecht beweisen ein gutes Angebot anspruchsvoller Lebensräume.

Beobachtungen etwa von Bekassine, Baumfalke, Rotmilan, bis Silberreiher und Wanderfalke zeugen von der Attraktivität des Geländes. Im Winterhalbjahr gehen die Anzahlen der Wintergäste in die Hunderte: Drosseln, Ammern, Stare, Finken und Zeisige.

 

Der Merlin als nordischer Kleinfalke und die Kornweihen aus Polen nutzen diese grosse Futterquelle. Ein Gang im Monat Mai vom Friedhof im Norden bis zum Schilf am Kaltenbach würde zur Zeit die Anzahl von 57 Brutvogelarten entdecken lassen. Natürlich müsste man sich für die 2 Kilometer viel Zeit nehmen. Dann könnte man dazu noch viele Gäste beobachten: Vom Mauersegler bis zum Graureiher und Schwarzmilan. Auf 70 Arten könnte die Liste schon anwachsen.

 

2010 wurden mit Unterstützung der Pfalzwerke AG zwei Storchennester aufgestellt. Seit 2013 wird ein Nest regelmäßig bewohnt. Bisher gab es drei erfolgreiche Bruten mit insgesamt 6 Jungstörchen.

 

Mensch und Natur im Einklang

Wenn die Nahrungsangebote und die Lebensräume passen, dann ist ein Nebeneinander von Mensch und Tierwelt jederzeit möglich. Die Störungen müssen sich selbstverständlich in Grenzen halten. Aber dann können naturverbundene Eltern in Kleinfischlingen hören, wie beim Fußballbolzen ihrer Kinder gleichzeitig der Pirol ruft, und wie der Feldschwirl  stundenlang in der Seggenwiese nebenan surrt und surrt. Kaum dass dann die Kinder aber zum Tennisplatz weiterziehen, wo die Nachtigall im Gebüsch singt, da übernimmt der Neuntöter wieder den Bolzplatz und hält von der Aluminiumlatte nach fliegenden Käfern Aussschau.