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Naturschutzgebiet Kaltenbachbruch

05. 06. 2022

Kaltenbachbruch mit bis zu 60 Brutvogelarten, zahlreichen Nahrungsgästen und Durchzüglern besonders schützenswerter Schatz

Seit über vier Jahren einziges neues rheinland-pfälzische Naturschutzgebiet südlich des Westerwalds

Groß ist die Freude der Anliegergemeinden des Kaltenbachbruchs: Nachdem die Gemeinderäte von Kleinfischlingen, Hochstadt und Freimersheim zur Jahreswende 2017/2018 einstimmig einen gemeinsamen Antrag auf Ausweisung des   Kaltenbachbruchs mit seinen nassen Schilfflächen und Seggenwiesen zum Naturschutzgebiet beschlossen und diesen bei der zuständigen Oberen Wasserbehörde in Neustadt stellten ist nach über vier Jahren die Freude groß. Am 8. Juni wird der Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD), Prof. Dr. Hannes Kopf (SPD), im Beisein von Landrat Dietmar Seefeldt (CDU), den Bürgermeistern der beteiligten Verbandsgemeinden Edenkoben und Hochstadt, sowie der Ortsbürgermeister höchstpersönlich den Genehmigungsbescheid in Kleinfischlingen übergeben.

Damit schließt sich nach 50 Jahren endlich der Kreis, der 1972/73 mit der unseligen Absicht begann, direkt an der Hochstadter Grenze zu Freimersheim am Kaltenbach westlich der L 540 eine Kreis-Mülldeponie anzusiedeln. Mit großem politischem Einsatz wehrten sich die Freimersheimer, darunter auch die Freimersheimer Mühle, vehement und erfolgreich dagegen und riefen auch den gebürtigen Freimersheimer und späteren ersten Umweltpfarrer der Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantischen Landeskirche), Gerhard Postel, und seinen Freund Kurt von Nida auf den Plan. 1974 stellten diese unter Vorlage ihrer zahlreich gesammelten aussagekräftigen Daten den Antrag für ein Naturschutzgebiet „Mittleres Modenbachtal und Kaltenbachbruch“, das schließlich 1980 zum ersten Landschaftsschutzgebiet des Kreises Südliche Weinstraße wurde. Schon einige Jahre gehört das Kaltenbachbruch zum Natura 2000 Vogelschutzgebiet Speyerer Wald, Nonnenwald und Bachauen zwischen Hanhofen und Geinsheim.

Die Ausweisung eines Naturschutzgebietes beinhaltet primär den gesetzlichen Auftrag der Erhaltung von Pflanzen- und Tiergesellschaften und ihrer angestammten Biotope und sichert somit das genetische Erbe eines Naturraums.

Warum hier ein 40 Hektar großer Abschnitt der Kaltenbachaue mitsamt einem Seitentälchen als Naturschutzgebiet ausgewiesen wird (Hochstadt und Kleinfischlingen besitzen davon 16 und zwölf Hektar, das Land sieben, private Eigentümer circa drei und Freimersheim den knappen Rest), erklärt Kurt von Nida so: „Schon 1314 erwähnt eine Urkunde, dass bei Kleinfischlingen ein Sumpf sowie ein langer Sumpfstreifen lag. Alte Hochstadter erzählen heute noch, dass sie von Kleinfischlingen aus über das „Krebsmeer“ nach Hause gehen würden. Noch vor 120 Jahren haben Hochstadter Leute Torf aus dem Kaltenbachbruch verheizt. Auch im geologischen Sinn ist von einem Moor am Kaltenbach zu lesen.“ Er erzählt auch, dass seine Großmutter beim Rübenpflanzen vor 100 Jahren die „Hawwergääße“ - die älteren Freimersheimer bezeichneten sie als „Bruchhämmel“ -, die Bekassinen, in der Luft hörte, wenn diese Schnepfenvögel ihre Sturzflüge in den Sumpfwiesen vollführten und mit dem Schwanz ein meckerndes Geräusch erzeugten. Noch heute stochern die Watvögel mit dem neun Zentimeter langen Schnabel im Schlamm, wenn sie vor ihrem Abflug nach Osteuropa hier zu Gast sind, erzählt von Nida.

„Die Vogelwelt ist mit bis zu 60 Brutvogelarten, vielen Nahrungsgästen und Durchzüglern ein besonders schützenswerter Schatz in unserer ansonsten intensiv genutzten und dicht besiedelten Landschaft“ erklärt von Nida. Der mittlerweile bedrohlichen Verbuschung und Bewaldung der wichtigen Feuchtlebensräume, die nach der Aufgabe von Ackerbau und Viehzucht in den 1970er Jahren einsetzte, müsse man Herr werden, da diese Entwicklung die Vögel des Offen- und des Halboffenlands nach und nach vertrieb. „Ein Naturschutzgebiet dieser Art darf nicht sich selbst überlassen werden und bedarf intensiver Pflege“, erklärt der Naturschützer. Die Aktion Südpfalz-Biotope mit Sitz in Kleinfischlingen hat fast die Hälfte des Naturschutzgebietes selbst gepachtet und ist Maßnahmeträger des Gesamtgebietes bis 2034, um nach der seit 2019 vorgenommenen Sanierungsphase die Pflege zu garantieren. Die notwendigen Gelder generiert der Kreis Südliche Weinstraße aus dem Anspruch auf sogenannte Ersatzzahlungsgelder, deren Förderung bei der landeseigenen Stiftung Natur und Umweltschutz in Mainz beantragt werden mussten. „Laut Bundesnaturschutzgesetz hat die öffentliche Hand die Verpflichtung für den ökologischen Wert ihrer Eigentumsflächen. Unmöglich können unsere Dörfer diese naturschutzfachlich anspruchsvollen Leistungen erbringen“, erläutert Kleinfischlingens Ortsbürgermeisterin Regina von Nida die notwendige Vergabe.

Schon jetzt dokumentieren Vorher/Nachher-Fotos, dass durch die begonnene Wegnahme der Verbuschung und zweimal jährlich durchgeführter Wiesenmahd sich die Anzahl der Pflanzenarten von 16 bis 20 auf 40 bis 50 erhöht hat. Durch die Entnahme der zahlreichen Weiden wurde wieder Platz geschaffen für die Rückkehr des Schilfs und damit auch der Rohrsänger, Rohrammern, Wasserrallen, Bekassinen und anderen Watvögeln. Freigestellte Sumpfaugen und Laichtümpel bieten wieder Licht für Laub- und Grasfrösche und Molche und Lebensraum für Insekten jagende Libellen.

„Heute hat übrigens der Grundwasserspiegel stark abgenommen, weshalb sich die Gemeinden um die Aufmerksamkeit der zuständigen Oberen Wasserbehörde in Neustadt bemühen, um die dramatische Entwicklung für das Feuchtgebiet, besonders aber auch für den Wasserhaushalt der nächsten Generationen in unseren Dörfern zu stoppen“, macht Regina von Nida die immense Wichtigkeit für alle Gemeinden deutlich.

Der offizielle Übergabe-Akt findet am Mittwoch, 8. Juni um 14 Uhr am Wendehammer in der Poststraße in Kleinfischlingen statt, wozu eingeladen wird. Für einen Umtrunk mit kleinem Imbiss sorgen die Kleinfischlinger LandFrauen.

Text: Heike Dernberger
Bilder: Regina und Kurt von Nida

 

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