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Eröffnung der Ausstellung „Werner Ring – die Kunst der Sachdarstellung“

13.07.2019

So schön altmodisch

Kleinfischlingen hätte Werner Ring gern zum Ehrenbürger ernannt, so sehr hat man ihn gemocht und bewundert. Aber leider war das Dorf nur Zweitwohnsitz des 2007 gestorbenen Illustrators. Nun erinnert eine sehenswerte Ausstellung an ihn.

 
Er war ein bescheidener Mann, sagt Kurt von Nida über seinen Freund Werner Ring. Als Künstler habe sich der 1928 geborene Grafiker nie gesehen. Und war es wohl doch. Die Ausstellung aus Rings Nachlass, von seinen Kindern zur Verfügung gestellt und gestaltet, strahlt einen ganz besonderen Zauber aus.

Rings detailgetreuen und liebevoll ausgeführten Zeichnungen von Tieren und Pflanzen sind für manche Betrachter wie eine Reise in die Kindheit. Da tummeln sich auf einer Blütenwiese Schmetterlinge und Insekten, bis ins kleinste Härchen exakt gezeichnet, in einer Dschungelkulisse finden sich Gorilla neben Tiger, Flugechse neben Papagei.

Der Gedanke an Kinderbücher ist kein Zufall, denn Werner Ring hat zum Beispiel für den Kinder-Brockhaus „Tiere“ gearbeitet. Er hat Schulbücher und vielerlei Lexika mit Pflanzen- und Tierzeichnungen illustriert. Bestimmungsbücher, etwa für Insekten, profitierten von seiner überaus genauen und realistischen Malweise.

 

Durch Werner Ring lernt
man die Kunst des Hinschauens„Kleiner Eichenbock“ oder „Kiefernblattwespe“ heißen solche auf den ersten Blick bescheidenen Bildchen, die in der Ausstellung zu sehen sind. Wer nicht gerade Biologe ist, hat diese Insekten wohl noch nie im Leben wahrgenommen, geschweige denn genau angesehen. Durch Werner Ring aber lernt man die Kunst des Hinschauens und entdeckt geheime Schönheit. Jedes Äderchen auf den Flügeln ist erkennbar, selbst der Schattenwurf der Fühler ist exakt gezeichnet.

Es sind Idealbilder, sagt Apotheker und Naturschützer Kurt von Nida, der bei der Storchenkerwe in Kleinfischlingen die Rede zur Ausstellungeröffnung gehalten hat. Die Kunst solcher penibler und realistischer Darstellung – man denkt dabei an die Naturforscherin und Künstlerin Sybilla Merian – sei im Aussterben begriffen. Heute dominiert die Naturfotografie. Auch sie produziert großartige Bilder, gesteht von Nida zu, doch könne ein Foto eine Pflanze oder ein Tier nie so völlig störungsfrei und „ideal“ darstellen.

Übrigens hat Werner Ring nicht nur im Auftrag gearbeitet. Gern zeichnete er zum Vergnügen – und vielleicht zum späteren Verkauf – kleine Stillleben von Rosen und Tulpen, Quitten und Walnüssen. Auch humoristische Arbeiten sind hin und wieder entstanden. Zum Beispiel ein Bild von alten schrumpeligen Grumbeeren, die jungen, noch grünen Kartoffeln anscheinend irgendwas erzählen, während die naiv und staunend aus den Kartoffelaugen gucken.

Dass er einmal ein Kleinfischlinger würde, war Werner Ring nicht in die Wiege gelegt. 1928 in Würzburg geboren, in Speyer aufgewachsen, studierte er 1948 an der Werkkunstschule Mainz und an der Hochschule für Bildende Künste München. 1954 heiratete er Lilo Steiner und trat zunächst in den Familienbetrieb Sägemühle Steiner in Speyer ein. Erst 1970 besann er sich wieder seines Talents, arbeitete als freischaffender Zeichner und Illustrator und kaufte wenig später einen alten Bauernhof als Atelier in Kleinfischlingen.

 

Abends auf ein Glas Wein im Hof mit Kurt Beck oder Georg Gölter„Es war ein idyllisches Anwesen“, erinnert sich Kurt von Nida. Im Garten blühten die Rosen und pickten die Hühner. Jeden Morgen kam Ring zum Füttern des Federviehs, arbeitete dann viele Stunden diszipliniert im Atelier und saß abends mit Kurt Beck, Georg Gölter und vielen anderen Freunden im Hof beim Rotwein.

Über die aktuelle Ausstellung hinaus wird in Zukunft im Florum in Kleinfischlingen eine große Vitrine an das Leben und Wirken des Illustrators erinnern. Dort kann man auch nachlesen, was Werner Ring über seine Arbeit gesagt hat: „Meine Vorgehensweise ist ganz einfach. Ich lege den Umriss fest, setze den Lichteinfall links und den Schatten rechts, dann ist die ganze Kunst nur noch, die richtige Farbe an die richtige Stelle zu bringen. Das ist wie bei einem Uhrmacher, der das richtige Rädchen an den richtigen Platz zu bringen hat, damit die Uhr geht.“

Termin

Die Ausstellung „Werner Ring – die Kunst der Sachdarstellung“ ist bis 8. August sonntags von 11 bis 14 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter 06347 8816 in der Museumsscheune Florum, Niedergasse 3, in Kleinfischlingen zu besichtigen. Infos unter www.kleinfischlingen.de.

Text: Rita Reich, Bild: Kuno Müller

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Eröffnung der Ausstellung „Werner Ring – die Kunst der Sachdarstellung“